| Barfuss über glühende Kohlen |
| Written by GastroHost.ch |
| Publikation | 01.04.1997 | ||
| Zeitung / Magazin / TV-Sation | Der Bund | ||
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MÖSCHBERG Am Ostersamstag versammelten sich 27 Frauen und Männer zu einem Feuerlaufseminar mit dern Ziel, ohne Verletzung über glühende Kohle zu gehen, Hokuspokus, Hypnose oder eine Sekte? - Der «Bund» wollte wissen, was dahintersteckt. Musst du durchs Wasser gehen, so bin ich bei dir; auch in reissenden Strömen wirst du nicht ertrinken; gehst du durch Feuer du wirst nicht versengt, und die Flamme verbrennt dich nicht! Dunkle Nacht liegt über dem Möschberg ob Grosshöchstetten. Kursleiter Gérard Moccetti, von Beruf leitender Bankangestellter, recht die Kohle zu einem fünf Zentimeter hohen Kissen zusammen und taucht den Rechen in die bereitgestellte Wanne. Das Metall kühlt sich zischend ab. Moccetti stellt das Werkzeug beiseite, zieht seine Schuhe aus, hält vor dem Kohlekissen kurz inne und durchquert schliesslich festen Schrittes und baren Fusses den rotglühenden Teppich. Aus dem Menschenkreis, der um das Feuer steht, lösen sich zaghaft die ganz Mutigen und tun es dem Kursleiter gleich: Sie marschieren bei vollem Bewusstsein durch die Glut. Nun will auch ich es wissen: Mit hochgekrempelten Hosen stehe ich da, spüre die Hitze und stelle mir noch einmal die Frage: «Gehst du für deinen Beruf tatsächlich durchs Feuer?» Ich gehe! Gérard *** Otto Gerber, Treuhänder und ebenfalls Kursleiter, rollt zu Beginn des Nachmittags die Geschichte des Feuerlaufens auf: «Das Ritual wird nachweislich seit 4000 Jahren durchgeführt. Heute noch ist es Bestandteil vieler Religionen. In der Schweiz wird das Feuerlaufen seit Mitte der achtziger Jahre gepflegt. »Wir hören Beispiele von den mittlerweile ausgestorbenen hawaiianischen Kahunas, die über glühende Lavaströme liefen, und von Singapur wo jeder Feuerläufer drei Peitschenhiebe erhält bevor er die Glut durchquert. *** «Warum diese Feuerlaufe praktisch immer ohne Verbrennungen ablaufen - nur ein Prozent der Seminarteilnehmer zieht sich schwere Verletzungen zu - dafür gibt es keine wissenschaftlichen ***
*** Also sitze ich zusammen mit 26 fremden Leuten im Alter zwischen 20 und 65 im Kreis. Die Anwesenden machen trotz dem esoterisch angehauchten Kurs einen normalen Eindruck. Mit verschiedenen Gruppen- und Wahrnehmungsspielen wird das Vertrauen geweckt, dass Dinge möglich sind, die als unmöglich gelten. Zudem lernen wir, den Verstand so einzusetzen, dass er den Feuerlauf nicht behindert, «denn», so Gerber, «nur mit dem Verstand kommst du nicht übers Feuer» Die Meditationen verfehlen ihr Ziel nicht, und alle 27 Anwesenden gehen durch die Glut, einige sogar mehrmals. *** Und was ist geblieben? Die Gewissheit, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die noch nicht zu erklären sind und doch funktionieren; und ein Glücksgefühl, wie es Frischverliebte nach ihrem ersten Kuss verspüren. | |||
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| Last update (Tuesday, 19 October 2010) |













